Bürgermeister Schill
 
 

"Jetzt ist die Zeit gekommen"

Bericht SZ Online 15.03.2021

 Nach 28 Jahren zieht Josef Schill einen Schlussstrich und gibt sein Amt als Bürgermeister von Unterwaldhausen ab. Regulär würde die Amtszeit noch bis 2024 gehen. Die Wahl findet am Sonntag, 9. Mai, statt. Bislang einziger Kandidat ist Schills Bürgermeisterkollege Jochen Currle aus Guggenhausen.

Den Rückzug vom Amt hatte Schill schon vor rund fünf Jahren geplant, trat nach Gesprächen mit Gemeinderat und Bürgern 2016 aber nochmals zur Wiederwahl an. „Es war damals eine emotionale Entscheidung, keine rationale“, sagt der 67-Jährige. Beim Amtsantritt kündigte er bereits an, dass er noch zwei Jahre plus x bleiben werde. Nun sind es mehr als vier Jahre geworden. „Erst war die Kommunalwahl ein Grund, noch zu bleiben. Dann kam die Pandemie, die auch kleine Gemeindeverwaltungen herausfordert. Es wird immer Umstände geben, das Amt noch nicht abzugeben, aber „ – ohne dass es einen bestimmten Auslöser gibt“, sagt Schill. Nach einem potenziellen Nachfolger hat er sich vor seiner Entscheidung nicht umgehört, ist aber froh, dass sich so rasch ein Bewerber gefunden hat.

Die fast drei Jahrzehnte in Unterwaldhausen behält er in guter Erinnerung. „Bei fast 300 Einwohner kennt man wirklich jeden persönlich. Es sind nie Gräben entstanden, die nicht mehr überbrückbar waren“, sagt der Bürgermeister. Bis zu seiner Pensionierung Mitte 2019 war er Geschäftsführer des Verwaltungsverbandes Altshausen, konnte Beruf und Ehrenamt gut miteinander vereinbaren. Vor 28 Jahren in Unterwaldhausen zu kandidieren, war eigentlich gar nicht seine Absicht gewesen. Gemeinderäte kamen damals auf ihn als Geschäftsführer des Verwaltungsverbandes zu, weil sie sich nach einem Kandidaten umhören wollten. „Ich habe dann wohl etwas leichtsinnig gesagt, wenn ihr keinen findet, mache ich es halt“, erinnert er sich mit einem Schmunzeln. Dass er so lange im Amt bleiben würde, habe er aber nicht annähernd gedacht. Ausschlaggebend für das Weitermachen seien der Spaß und das gute Miteinander mit den Bürgern gewesen. Bei den Wiederwahlen verbuchte er nicht nur eine hohe Wahlbeteiligung, sondern auch nahezu 100 Prozent der Stimmen. „Wenn die Bürger einem so ein Zeugnis ausstellen, ist das eine schöne Bestätigung“, sagt Schill.

Auch wenn Unterwaldhausen mit knapp 300 Einwohner die zweitkleinste im Kreis Ravensburg ist und ein Teil der Verwaltungsarbeit vom Verband übernommen wird, war der Bürgermeister stets gefordert. Etwa wurde die Kanalisation erneuert, die Kläranlage zunächst zusammen mit Guggenhausen erweitert und später nach Ostrach verlegt. Als Schill seine erste Amtszeit antrat, musste er auch eine neue Frischwasserversorgung auf die Beine stellen, da im Trinkwasser aus der eigenen Wasserfassung Rückstände des Herbizids Atrazin waren. Seitdem gehört die Gemeinde dem Wasserverband Hundsrücken an. Saniert wurde im Dorf nicht nur das Rathaus als ehemalige Schule, sondern auch das Dorfgemeinschaftshaus. Bereits seit 2013 hat Schill den Breitbandausbau im Blick, Unterwaldhausen ist Gründungsmitglied im entsprechenden Zweckverband des Kreises. Bei Baumaßnahmen wurden Leerrohre verlegt, bis an den Verteilerkasten gibt es bereits Glasfaser. „Damit ist eine akzeptable Internetverbindung möglich, vorher gab es nicht mal DSL light“, sagt Schill. Als finaler Schluss müssten noch die abgelegeneren Weiler angeschlossen werden und Hausanschlüsse folgen. Übernommen hat Schill die Gemeinde mit 160000 D-Mark Schulden, heute ist Unterwaldhausen schuldenfrei und er hat rund eine halbe Million Euro für Investitionen zur Seite gelegt. „Meine Erfahrung in der Verwaltungsarbeit war für das Amt natürlich ein großer Vorteil. Wichtig ist in so einer kleinen Gemeinde aber auch, viel Verständnis für die Bürger zu haben. Barrieren zwischen Rathaus und Einwohner aufzubauen, ist immer schlecht“, sagt Schill. Für Unterwaldhausens Zukunft hofft er, dass die Gemeinde noch lange eigenständig bleiben kann. Privat wird sich der 67-Jährige nach Amtsende mehr seinen Hobbys wie Radfahren und Mountainbiken widmen. „Langweilig wird es mir ganz sicher nicht“, sagt Josef Schill. 

 
 

Kontakt

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Hauptstraße 5 | 88379 Unterwaldhausen
Telefon: 07587 - 660
Telefax: 07587 - 922 725

 
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